Flämische Meister

Hallo, mein Name ist Pieter Bruegel

Pieter Bruegel der Ältere ist als hart arbeitender, aber auch Lebemann maßgeblich für die Entstehung der nationalen Psyche und des kollektiven Bewusstseins Flanderns verantwortlich. Noch immer findet man in Flandern die wunderschönen pittoresken Dörfer und die „joie de vivre“, die Pieter Bruegel so herrlich gemalt hat. Doch Flandern und die Werke Pieter Bruegels sind weit mehr als das. 2019 können Sie noch vieles mehr über Pieter Bruegel erfahren. Dann begeht Flandern den 450. Jahrestag seines Todes mit allen Ehren, die ihm gebühren: Im Rahmen einer beeindruckenden Reihe von Ausstellungen und Veranstaltungen wird noch einmal betont, was für ein herausragender Künstler er war.

Während über das Leben von Pieter Bruegel dem Älteren nicht viel bekannt ist, kann man doch vieles ableiten, indem man seine Bilder studiert und sich die Zeit genauer anschaut, in der er gelebt hat. Er war ein sehr origineller Künstler, der die Vorstellungen und Wahrnehmung der nachfolgenden Generationen tiefgreifend beeinflusst hat.

Pieter Bruegel

Bruegel bei der arbeit - Statue von Tom Frantzen - Kappelleplein, Brüssel - © Visit Flanders

Pieter Bruegel der Ältere – ein Mysterium

Tatsächlich wissen wir nur wenig mit Sicherheit über sein Leben, und das macht ihn zu einer wahrhaft rätselhaften Persönlichkeit. Offensichtlich war er von der Natur, der Menschheit und dem Humor fasziniert. Darum passt er nicht so recht in die Schublade eines bestimmten Künstlertypus. Zwei frühe Quellen deuten darauf hin, dass Pieter Bruegel vermutlich zwischen 1525 und 1530 geboren wurde, denn es gibt Aufzeichnungen, die belegen, dass er im Jahre 1551 als freier Meister in die Sankt-Lukas-Gilde, Antwerpen, aufgenommen wurde.

Das führt uns zu der Folgerung, dass er seine Ausbildung bei dem Handwerksmeister und bekannten Wandteppichdesigner, Architekten und Bildhauer Pieter Coecke van Aelst in den Jahren 1545 bis 1550 machte. Möglicherweise hat er während dieser Ausbildung bei Coeckes Ehefrau, Mayken Verhulst, die Kunst der Illustration von Manuskripten gelernt.

The Fall of the RebelAngels

Der Sturz der rebellischen Engel - © Google Art Project

Die Sankt-Lukas-Gilde

Die Mitgliedschaft in der Sankt-Lukas-Gilde in Antwerpen hat Pieter Bruegel sicherlich dem Einfluss der örtlichen Romanisten ausgesetzt, für die Reisen nach Italien und die Wertschätzung der klassischen und humanistischen Kultur von größter Bedeutung waren. So ist es kaum überraschend, dass er um 1552 nach Italien reiste, wo er in Rom den Miniaturmaler Giulio Clovio traf, denn drei Gemälde von ihm wurden in dessen Testament von 1578 genannt. Leider ist keines dieser Werke erhalten geblieben.

Um 1554 kehrte Bruegel nach Antwerpen zurück, wahrscheinlich über die Alpen. Aus dieser Reise gingen zahlreiche herausragende Gebirgslandschaftsmalereien hervor. Diese Skizzen, die die Grundlage für viele seiner späteren Gemälde bildeten, waren keine Aufzeichnungen von tatsächlich existierenden Orten, sondern Zusammensetzungen, die er anfertigte, um das organische Leben der Formen in der Natur zu studieren.

Fall of the Rebel Angels, 1562

Fall of the Rebel Angels, 1562 - © KMSKB

Von Beruf Künstler

Ab Mitte des 16. Jahrhunderts wurde Pieter Bruegel nach und nach beruflich aktiver. Um 1552 hatte er erste Kontakte zu dem Verleger Hieronymus Cock geknüpft, und aus jener Epoche stammen seine frühesten erhaltenen Zeichnungen, die man noch heute ansehen kann: Die Sammlung der grafischen Produktion von Bruegel in der Königlichen Bibliothek Belgiens zählt zu den wertvollsten weltweit. Dort befindet sich außerdem eine Sammlung von etwa 90 seltenen, hochwertigen Drucken und drei Meisterzeichnungen von Pieter Bruegel selbst.

Klar ist, dass Pieter Bruegel sich nach seiner Rückkehr aus Italien verstärkt auf die Malerei konzentrierte. Soweit wir wissen, existieren noch rund 40 seiner Werke. Sie sind in der ganzen Welt verstreut, doch vier davon sind im Königlichen Museum der schönen Künste in Brüssel zu sehen. „De Dulle Griet“ (Die Tolle Grete) ist im Museum Mayer van den Bergh in Antwerpen ausgestellt. Dieses Museum besitzt auch 12 handgemalte Holzplatten von Pieter Bruegel, die jeweils bekannte Sprichwörter darstellen.

Mad Meg

Die Dulle Griet - © Museum Mayer van den Bergh, Antwerp

Familienleben in Brüssel

1563 zog Pieter Bruegel nach Brüssel, um dem Zentrum der Finanzen, der Macht und auch potentiellen Kunden näher zu sein. Die Stadt war ein Knotenpunkt für Künstler und den neuen städtischen Adel. Im gleichen Jahr heiratete er Mayken Coecke, die Tochter von Pieter Coecke und Mayken Verhulst, in der Kapellenkirche (Notre-Dame de la Chapelle) in Brüssel, in deren Nähe er lebte. Diese Gegend war im 16. Jahrhundert besonders wohlhabend und lag nicht weit entfernt von der Hauptresidenz von Karl V. im Palast Coudenberg auf dem Mont des Arts.

Pieter Bruegel starb 1569 und ist in derselben Kirche begraben, in der er auch geheiratet hat: in der Kapellenkirche in der Nähe des Zavel in Brüssel. Beide Söhne von Bruegel, Pieter (der Jüngere) und Jan (der Ältere), geboren 1564 bzw. 1568, wurden selbst namhafte Künstler.

Winter Landscape with a Bird Trap

Winterlandschaft mit Skatern und Vogel Schneiden - © KMSK Brussel - Photo: J. Geleyns-Ro scan

Jäger im Schnee

Jäger im Schnee - © Kunsthistorisches Museum, Vienna